Der Boom ist vorbei, Web 2.0 langweilt, back to the roots.

So langsam aber sicher scheint mir der ganze Hype zwischen Social Networking, Mitmachweb, einigen anderen Buzzwords und dem Web 2.0 vorüber zu gehen. Gestern wurde ich noch durch einen Kommentar auf die negative Entwicklung der Netzwerke aufmerksam gemacht. Dass das Interesse an den verschiedenen Networks langsam aber sicher weniger wird, zeichnet sich nicht zuletzt durch die Google Trends Kurve ab…

Selbst bei einschlägigen Newsblogs wie deutsche-startups.de geht es deutlich den Bach runter. Während man damals noch begeistert und voller Neugier auf den nächsten Beitrag wartete, wird dort heutzutage sogar über irgendwelche 08/15 Shopinstallationen berichtet, die den Markt der Branche als revolutionäres Startup bereichern sollen. Lächerlich und langweilig. Die Themen gehen langsam aber sicher aus. Die Blase verpufft. Bis auf einige wenige kommentierfreudige Leser merkt es nur noch keiner…

Ich denke es ist an der Zeit einzusehen, dass der Kuchen weitestgehend verteilt wurde. Die großen deutschen Netzwerke haben ihre User abbekommen, welche seitdem teilweise aktiv, teilweise weniger aktiv oder immer weniger aktiv in den Datenbanken, oft nur noch als sogenannte Karteileichen, herumliegen und geführt werden. Die Kunden liegen in Form von Datensätzen direkt auf der Matte, man weiß eben nur nicht, was man mit denen veranstalten soll. Die Vermarktung der Netzwerke lässt bis heute stark zu wünschen übrig. Nur ein Verlag kann die immensen Kosten stemmen und versuchen das riesige Minuszeichen vor dem Betrag zum Positiven zu wenden. Schwierig, gerade in Zeiten in denen scheinbar Normalität einkehrt und die Nachfrage sinkt.

StudiVZ und Co. sind zur Gewohnheit geworden. Lediglich Facebook verzeichnet immernoch ein beachtliches Wachstum. Bei den deutschen Netzwerken ist jeder zwar irgendwie mal da und auch öfter online, faszinierend ist es aber schon lange nicht mehr. Es ist fast wie das SMS schreiben vor einigen Jahren. Das war damals auch so toll, einfach und voll im Trend. Hatte man ein Handy, war man wer. Heute, und das ist sicher ein persönliches Empfinden, nerven SMS eher als dass sie Spaß machen. Genauso ist auch mein derzeitiger Eindruck in den sogenannten sozialen Communities. Hast Du ein “soziales Profil”, biste wer. Jetzt haben das fast alle. Neben dem Hochladen uninteressanter Urlaubsfotos, dem Beitreten sämtlicher einem über den Weg laufender Gruppen, die nicht mehr als den eigenen Charakter beschreiben und das Chatten mit virtuellen Freunden in einer meist über den Netzjargon hinaus verkürzten und unverständlichen Sprache, haben die Netzwerke gegenwärtig scheinbar keinen viel größen Sinn mehr, als die reine Verblödung, die soziale Abstumpfung und das Versauen der ersten Bewerbung.

Ich erwische mich des Öfteren dabei wieder in Foren mitzumachen und dort an die damalige Aktivität anzuknüpfen. Vernetzen hin oder her. Das brauchte ich eigentlich nie und ich brauche es auch in Zukunft vermutlich nicht – noch nicht. Back to the roots, heißt es bei mir momentan. Mir ist es egal wie viele Freunde ich in irgendwelchen Netzwerken in meiner Liste stehen habe. Auch die zahlreichen Businesskontakte bringen mich nicht unbedingt weiter nach vorne. Die meisten der als Pinguin verkleideten Top-Entscheider wollen, so mein häufigster Eindruck, ohnehin nur die eigene Profilneurose befriedigen. Das mag bei einigen anderen vielleicht anders sein. Bei mir ist es momentan eher ein deutliches zurückschrauben der Aktivität in der 2.0 Szene, sofern man diese noch als solche bezeichnen möchte. Nicht ohne Grund möchte ich nach wie vor alles verkaufen. Das hat nichts mit dem Potential der Projekte zu tun, sondern vielmehr damit, dass ich die Szene einfach leid bin.

Meiner Meinung nach wird zur Zeit nur noch wenig Innovatives geschaffen. Es gibt zwar einige tolle Ideen, aber alltagstauglich ist das ganze in meinen Augen noch nicht. Schaut man sich zum Beispiel CaptchaAd an, muss man wirklich sagen: “Wow, darauf muss man erstmal kommen. Genial, tolle Idee…”. Versetzt man sich aber nun in die Lage sich vor jeder Formulareingabe erst Werbung ansehen zu müssen, um das Captcha richtig beantworten zu können, grault es mir ganz ehrlich gesagt schon vor der weiteren digitalen Zukunft. Ich denke, dass man sich eher auf den mobilen Sektor konzentrieren sollte. Mit neuen und günstigen Tarifen, wie zum Beispiel einer UMTS Flatrate, die unter anderem nahezu grenzenlose Vernetzung “all over the world” gewährt, erwachen die Handys, vor allem aber die Smartphones zu einem völlig neuem, bis dato nicht gekanntem Dasein.

Die mobile Welt blüht neu auf. Eigentlich veraltete Konzepte, wie Klingeltöne und irgendwelche SMS Dienste, generieren nach wie vor Geld. Auch neue Konzepte, wie z.B. das mobile Navigationssystem von Google, die tausenden Apps aus den Apple App-Stores für das iPhone und etliche innvotative Neuerungen wie multitaskingfähige Smartphones machen die mobile Welt gegenüber dem Internet oder gerade durch mobile Anwendungen im Internet wieder konkurrenzfähig.

Und eins ist klar wie Kloßbrühe: Geld wird im Web 2.0 nicht wirklich gemacht. Es wird viel hin und her geschoben. Der kauft den, die kaufen das, hier schließt jemand, dort entsteht ein neues Startup, Pustekuchen. Das einzige was immer wieder passiert ist, dass irgendwelche Investoren Geld in irgendwelche Konzepte braten und regelrecht verbrennen. Digitale Güter lassen sich auch mit einem millionenschweren Rückgrat nur schwer verkaufen. Auf dem mobilen Markt scheint das einfacher. Mal schauen was wird.

In dem Sinne, schönes Wochenende Euch allen :)

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Kommentare

Traurig aber wahr! ;(

Ich habe bei Facebook z.B. massig Freunde, aber aktiv sind da immer nur 10%. Stell Dir vor Du sitzt mit all Deinen Freunden im Bus und nur 10% reden, der Rest hört schweigend zu ;)

Mal sehn was jetzt noch Neues kommt… eigentlich wurden alle möglichen Kommunikationsformen ja schon ausgiebig ausgequetscht (SMS, eMail, ICQ, Skype, StudiVZ, Facebook, MySpace, Foren, Gästebücher, Blogs, Twitter, …).

Da wird Google Wave auch nicht mehr viel bewirken…

So wie es aussieht, werde ich wohl ein kleines aber feines regionales Netzwerk entwickeln weil ich selbst keinen Bock mehr auf Facebook & Co. habe ;)

Sehr treffende Beschreibung,

zumindest mein Empfinden trifft das sehr genau. Sehr viel an diesen Netzwerken ist Oberfläche ohne Inhalt und birgt zumindest für mich kein langfristiges Motivationspotenzial.

Gruß

Eine Multi-Netzwerk-Karteileiche

Die Frage ist doch eher, ob sich das Verhalten nicht normalisiert. Wir hatten eine Blase, einen Hype und jetzt geht’s back to normal. Natürlich werden Facebook nicht auf Dauer unsere einzigen Kommunikationkanäle sein.
Wie bei der SMS, wir schreiben viel weniger als zuvor, aber trotzdem ist sie noch nützlich oder?

Sehr interessante Gedanken. Ich denke es gilt immer noch: Get big, get niche or get out.

Gleich mal vorweg: Ich komme übrigens über yigg hierher :D

Meiner Meinung nach wird das Web2.0 zur Selbstverständlichkeit. Man ist nicht wer, weil man mitmacht, sondern man macht mit, weil es dazugehört.

Jeder hat eine E-Mail Adresse, man ist niemand, weil man eine hat, oder sie benutzt. Genauso bei Social-Media-Diensten.

Und das diese Dienste Geld verbrennen oder ähnliches würde ich – bis auf momentan Twitter – nicht sagen. Ich fühle mich bei der Nutzung zwar persönlich sehr unwohl, da es Monopole sind, die praktisch in sich ein Netzwerk wie das Internet bieten, mit dem Unterschied, dass die Firma dahinter es auch gleich vermarketet. Aber Geld verbrennen sie definitiv nicht. Youtube, VZnet, Myspace, Facebook usw. usw. usw. – ich glaube die Betreiber sind ausnahmslos Millionäre geworden…

(Wie wahrscheinlich auch der Entwickler der SMS oder der E-Mail, auch wenn die jetzt nicht mehr so cool klingen.)

@Roman naja ich schreibe immer mehr sms. ._.”
weswegen ich auch ne flat habe, sonst würd ich mich dumm und dämmlich zahlen xD

“…….back to the roots.”
Was für “Roots” denn ? vielleicht wieder zurück zur ISDN Geschwindigkeit? Seiten voller Werbebanner oder was wollte der Schreiberling uns hier Verklickern.
Das Internet wurde halt nicht als Geschäftsplattform Geschaffen, digitale Güter sind Flüchtig und eigentlich immateriell und wer möchte dafür echtes Geld bezahlen?

Der ganze Beitrag liest sich eher nach einem gelangweilten Internetnutzer der nicht so recht weiß wo er noch Hin klicken soll, ständig nach neuem verlangt und daran Mosern will.
Vielleicht hatte er auch nur schlechten Cyber Sex gestern Abend :-)

Es wird die geben die einfach abspringen und dann wird es die geben die lieben mit anderen zu Twitter, Facebooken oder sonstwas.

Ich finde es an sich gut das der Hype aufhört. Somit macht nicht jeder einfach nur mit weil es ja “sein muss und cool ist”.

Mich nervt nicht nur die teilweise Ineffizienz, sondern auch die reine Anzahl der Netzwerke. Vor einiger Zeit habe ich da auch schon drüber gebloggt: http://www.rueckspiegel.org/index.php/site/comments/overkill1/

Hi Markus,

in deinem Artikel erkenne ich mich einigermaßen wieder. In der Tat geht es mir genauso, dass ich zunehmend auf (Fach-)Foren zurückgreife. Irgendwie hat man da doch noch den besten Bezug zum Thema…

Zu den Meldungen (insbeondere über DS) gehe ich ebenfalls mit dir konform, sehr viel Belangloses dabei!

Nichtsdestotrotz ertappe ich mich ab und wann dabei, auf Seiten zu stossen, wo ich sage “Warum ist da vorher keiner drauf gekommen”.

Alles in Allem sind die größeren Sachen, die sich derzeit am Markt befinden, aber nahezu aufgeteilt. Und zum Thema “Social Network” habe ich mich ja schon mal separat geäußert, den Bereich erachte ich als ausgelutscht.

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