Beitrag erstellt am
18. Juli 2008
unter Allgemein.
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Der Weltmarktführer – wenn eine Blase zerplatzt
Anfang der Woche schrieb Philipp in seinem Blog über einen Dokumentarfilm im ZDF. “Der Weltmarktführer – Die Geschichte des Tan Siekmann“. Ich habe den Artikel mehr oder weniger gelesen. Es war eigentlich nur der Hinweis darauf, dass der Film mal wieder im ZDF gezeigt wird. Ich habe ihn in der Nacht von Montag auf Dienstag zwar nicht gesehen, hatte ihn mir aber früher schonmal angeschaut. Die Gedanken an den Film ließen mich in der letzten Woche nicht mehr los, sodass ich nun doch noch darüber schreibe…

Wie auch Philipp, kann ich den Film allen nur ans Herz legen. Klaus Stern schildert die Geschichte des Tan Siekmann hautnah und zeigt die brutale Realität wenn man das Zerplatzen einer Blase miterleben muss. Der Boden wird einem förmlich unter den Füßen weggerissen.
Tan Siekmann kaufte seinen Eltern im Jahr 1984, er war erst 17, das Unternehmen BioData GmbH für einen symbolischen Preis von einer D-Mark ab. Das Unternehmen beschäftigte sich vorrangig mit der IT-Sicherheit und war mit Tan Siekmann einer der Hoffnungsträger für Deutschland. Als “der deutsche Bill Gates” wurde Tan Siekmann zu dieser Zeit des öfteren betitelt und hochgelobt.
Die Investmentbanker gaben sich bei uns die Klinke in die Hand. Wir müßten wachsen und investieren. Und der Kurs stieg und stieg. Und plötzlich ist man auf dem Papier Milliardär.
Im Jahr 2000 war seine Firma nach dem Börsengang mit 8 Millionen Euro Umsatz auf dem Papier 2 Milliarden Euro wert. Die Aktiengesellschaft war der Vorreiter der IT-Branche und wurde durch den Börsengang und die Dotcom Blase nur so nach oben katapultiert. Damit hat keiner gerechnet. Im Rausch des Geldes, des Reichtums, des Aufstiegs und des Erfolgs unterlaufen viele Fehler.
Wir sind völlig unkontrolliert gewachsen. Die unmöglichsten Leute haben Führungsaufgaben übernommen. Wer nicht bei fünf aus dem Raum war, saß plötzlich im Vorstand.
Biodata wuchs und wuchs, kaufte Firmen und Startup Unternehmen in der ganzen Welt, ließ sich in mehreren Ländern mit weiteren Filialen nieder. Es gab Biodata Niederlassungen auf jedem Kontinent der Erde. Das Unternehmen agierte weltweit.
Die Blase platzt. Der Börsenkurs fällt. Nein, er stürzt. Schon 2001 musste die Biodata AG Konkurs anmelden und ist pleite.
Tan Siekmann kaufte aus der Insolvenzmasse einige Bereiche der AG zurück und gründete nochmals eine Firma mit dem Namen Biodata Systems GmbH. Wieder sollte es um IT-Sicherheit gehen. Tan Siekmann beschäftigte erneut mehr als 40 Leute in der neu gegründeten Firma. Die Mitarbeiter arbeiten eifrig für den Erfolg des Unternehmens – ohne Gehalt. Seit 5 Monaten tut sich auf deren Konto nichts. Der Lohn bleibt aus. Die Mitarbeiter befürchten eine erneute Insolvenz, bleiben aber trotzdem. Grund dafür ist scheinbar die Hoffnung auf Erfolg in Verbindung mit dem Versprechen von Tan Siekmann, dass in den nächsten Wochen ein schweizer Investor mehrere Millionen in die Firma investieren wolle.
Die Staatsanwaltschaft wirft Tan Siekmann Betrug vor. Er habe Ad-hoc Meldungen herausgegeben und Scheinumsätze gebucht. Siekmann selber weist die Vorwürfe zurück.
Okay, ich habe beim Höchstkurs für 25 Millionen Euro eigene Aktien verkauft – aber alles legal
Seit 2005 besteht die Anklage gegen Tan Siekmann und zwei weitere Geschäftsführer. Das Verfahren läuft erst seit dem 1. Januar 2007 beim Landgericht Kassel. Man befindet sich derzeit noch im sogenannten Zwischenverfahren. Ein Termin für das Hauptverfahren liegt noch nicht vor.
Der Film von Klaus Stern ist wirklich sehenswert. Sicherlich läuft er hier und da mal im Fernsehen, ist für ganz eilige aber auch auf DVD erhältlich.
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