Ich war 5 Minuten LinkedIn Mitglied

Ich habe mich wie eben berichtet, dazu durchgerungen LinkedIn mal kurz auszuprobieren. Bei mir sind es für gewöhnlich einige Sekunden bis ich mich entweder für oder gegen einen Dienst entschieden habe. Ich habe von LinkedIn viel erwartet, fand den Memberbereich aber so dermaßen unübersichtlich, dass ich mein Profil nach rund 5 Minuten wieder gelöscht habe.

Generell halte ich nicht sonderlich viel von diesen riesigen Business Netzen wie z.B. XING oder LinkedIn. Ich muss eingestehen, dass ich bei XING zwar schon länger als Karteileiche fungiere, mir das Netzwerk persönlich bislang allerdings nichts gebracht hat. Es gibt hier und da ein paar Leute, die sich einen Anzug anziehen und ein geschwollenes Profil aufsetzen. Danach wird man von denen etwas zugeschwafelt und entdeckt bei mehrmaligem Nachfragen, dass die teilweise selbsternannten Geschäftsführer oder CEOs absolut keinen Plan davon haben was sie machen oder mal machen wollen. Top 10 Rückfrage dieser Entscheider ist sicherlich “Was ist denn ein Lastenheft…?”.

Prinzipiell könnte XING eine ganz lustige Sache sein, wenn da nicht diese Dummensteuer in Höhe von 5,95 Euro pro Monat wäre. Ich bin selber kein zahlendes Mitglied und habe demnach gar nicht die Möglichkeit andere mit meinem Quatsch zu belästigen. Viele haben jedoch einen solchen Premiumzugang und dürfen demnach Kontakt mit anderen aufnehmen. Mein Netzwerk hat sich da über die Zeit so entwickelt, dass ich nun Leute unter meinen “bestätigten Kontakten” habe, mit denen ich a) absolut nichts zu tun habe, b) nie mit zusammen gearbeitet habe und c) mit denen ich in real niemals ein Bier trinken würde. Also alles nutzlose Kontakte.

Der eine hält mehr von sich als von anderen und die ganzen anderen halten natürlich noch mehr von sich in Vergleich zu dem was sie von ihm halten, weil die irgendwelche arbeiten durch den erledigen konnten, der schon vorher viel von sich hielt und nun noch mehr abhebt, wodurch wiederum das eigene Ego auf den Mars hochgestapelt wird und man mehr von sich halten darf. Hier passt mein Lieblingsspruch wieder wie die Faust aufs Auge: Ein Zwerg auf Stelzen ist und bleibt immer noch ein Zwerg.

Bei LinkedIn kommt es erst gar nicht so weit. Man wird schon wärend der Anmeldung angemacht und mit irgendwelchen Fragen zugeschüttet, die man gar nicht beantworten will. Und wenn dann bitte nicht mit kleinen Häkchen, sondern mit Volltext. Die Frage lautet sinngemäß “Was willst Du hier?”. “Nix, was soll ich hier schon? Ich kann ja wieder gehen.” Spaß bei Seite. Ich hasse langwierige Anmeldungen mit anschließendem Zwangsquiz, welches auch noch schlecht formuliert und unübersichtlich ausgestaltet ist.

Nachdem ich diesen lästigen Schritt irgendwie gemeistert habe, bekam ich endlich das total unübersichtliche Profil zu gesicht. Trag hier was ein, nein guck zuerst hier, hier kann man auch noch was ausfüllen, da stehen noch 48 sinnlose Informationen, kostenlos upgraden kannst Du hier, bla bla bla…

Ich kam mir in etwa vor wie bei ALDI an der Kasse, wo man mit dem Einräumen der gekauften Klamotten nicht hinterherkommt und sich immer wieder denkt: “schneller, schneller, schneller, morgen geht die Welt unter, schneller…”. Usability ist sicherlich was anderes, zumindest verstehe ich etwas anderes darunter. Diese fernwestlichen Formate scheinen mir einfach nicht zu liegen. Alles ist immer so mega blobby, blockig, bunt, hype und 2.0.

Auch bei dem neuen Facebook habe ich diese Erfahrung gemacht. Ich habe da ebenfalls zwar einen Account, aber ich nutze den einfach nicht, weil die Fülle an Informationen und Funktionen irgendwie zu groß ist. Naja, ein Versuch war es wert. Vielleicht kommt man später nochmal darauf zurück, aber im Moment brauche ich das nicht, nur weil 35 Millionen andere denken es zu brauchen…

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