StartUps gehen ohne Finanzspritze der Reihe nach pleite!

Und wieder mal bestätigt sich eine meiner Theorien. Ich habe schon des öfteren gesagt, dass die neuen StartUps scheinbar ohne Finanzspritzen gar nicht mehr auskommen. Sobald ein Startup dann eine Finanzierungsrunde erfolgreich abschließt gelten die Gründer als revolutionär und werden gefeiert als hätten sie den Weltfrieden erreicht, obwohl man aus eigener Hand eigentlich nichts als das Überreden eines Investors geschafft hat…

Als aktuellstes Beispiel trifft es gerade Kazzong. Kazzong war eine Community, über welche Künstler ihre digitalen Songs verkaufen konnten und auf diese Weise günstig in das Unterhaltungsbusiness einsteigen konnten. So der Plan. Scheinbar, so heißt es im Kazzong Blog, ist jedoch unter anderem die Finanzkrise dafür verantwortlich, dass jetzt die Pforten geschlossen werden müssen.

Es wurde zwar ein Investor gefunden, welcher jedoch kurzfristig und aufgrund der Finanzkrise absprang und seine finanzielle Zusage annullierte. Eigentlich schade für Kazzong. Denn das Konzept war nicht gerade dumm und hätte neue und kleine Künstler aus der Branche sicher gut unterstützt bzw. ein Sprungbrett geschaffen. Mal ganz unabhängig von Kazzong zur eigentlichen Problematik die sich mir noch nicht ganz erschließt:

Wofür verprassen die ganzen Startups bloß so viel Geld, dass man nahezu direkt nach dem Launch die Insolvenz einleiten muss?

Unabhängig vom Startup-Unternehmen wird einer Ansicht nach einfach viel zu dick aufgetragen. Wir sind ja schließlich im Web 2.0. Erstmal ein Unternehmen gründen und dafür Geld aufnehmen. Dann ein möglichst großes Büro mit nagelneuen und für das eigentliche Unternehmen total überdimensionierte (Leistung) Rechner anschaffen. Auch ein Konferenzraum gehört zwangsläufig zur Ausstattung, denn ein Team aus 2 bis 5 Leuten muss, um möglichst wichtig zu tun, auch vernünftig tagen können. Hier darf der neue Beamer inkl. Activeboard natürlich nicht fehlen.

Zur rechtlichen Absicherung wird ein Anwalt benötigt. Des weiteren braucht man einen Steuerberater. Außerdem muss man dicke Gehälter an sich selbst zahlen und sich davon diverse Anzüge kaufen um auf der nächsten sinnlosen Messe (natürlich auch 2.0) möglichst wichtig auszusehen (Der Spruch mit dem Zwerg passt hier wieder). Für die Messe wird ein Stand oder mindestens irgendein Display gebraucht, auf welchem man sich präsentiert.

Daneben muss man über ein iPhone mit dem größten Vertrag bzw. Datenvolumen verfügen. Wofür weiß man nicht, aber alle anderen haben das ja auch. Außerdem muss man die Zeit, in welcher man das Startup nach vorne bringen könnte mit Twittern verbringen. Denn es ist wichtig die Kollegen darüber zu informieren was man gerade macht, denkt und vor hat. Die sitzen zwar neben einem im Büro, aber Twittern ist angesagter und irgendwas mit Web 2.0.

Nach außen hin sollte man sich relativ cool geben. Von finanziellen Problemen z.B. darf gar nicht erst die Rede sein. Immer schön locker durch die Hose atmen. Auch die Besucherzahlen sollte man verfälschen möglichst positiv rüberbringen. Natürlich hat man nicht nur ein paar User, sondern Tausende von Usern. Alle Welt interessiert sich nur noch für die eigene Plattform. Das ist amtlich. Und das natürlich seit dem ersten Tag. Warum? Na weil alles so super geil ist. Das Angebot ist neu, wir sind Weltmarktführer und unantastbar. Warum? Weil wir ein Startup sind und – Web 2.0 halt (ihr versteht was ich meine).

Unser Einst macht lieber alles privat. Oft wird man zwar belächelt, dass man nicht ganz so viele User hat wie die scheinbar “dicken Fische”. Auch ist das Wachstum teilweise so gering, dass man es an manchen Tagen gar nicht aufzeichnen kann. Wie dick die Fische aber in wirklichkeit sind, zeigt sich wie beim Fußball erst dann, wenn der Unparteiische das Spiel nach 90 Minuten abpfeift. Wer schöner Fussball spielt muss nicht unbedingt gewinnen. Am Ende entscheiden immer die Tore!

Aber das steht nicht auf dem Papier der Startups. Sondern vermutlich irgendwo bei Twitter :)

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Kommentare

Schöner Beitrag gegen all diese Pseudo-Revoluzzer-StartUps, die sich immer als neues Microsoft feiern, wenn sie online gehen und ihren schön formulierten Pressetext bei Basic und Co. veröffentlichen. In den letzten Monaten habe ich in der deutschen “Gründerszene” nur sehr wenige wirklich gute neue Unternehmen kennengelernt, die meisten sind kleine Fische, die sich für Haie halten. Hinterher sind dann immer die anderen Schuld, dass es nicht geklappt hat – Investoren haben kein Geld gezahlt, ein Gründungsmitglied sei abgesprungen, neuerdings stützt man sich also auch auf die Finanzkrise.

Was mir aber am allermeisten auf den Geist geht, ist die Art und Weise wie sich diese Unternehmen präsentieren. Sie geben sich immer als modern und lockern ihr Image mit Politurworten wie “jung”, “dynamisch” und “erfolgreich”. Twittern dann den ganzen Tag hin und her, damit auch jeder dumme Blog dieser Welt einen Artikel über sie veröffentlicht. Nebensächlich gibt man sich dann als derzeitige Trendfigur, benutzt Modebegriffe wie “Salesmanagment”, “Jobs” oder “Developer” um die eigene Unternehmensseite zu schmücken. Das sind stumpfe BWL-Studenten, die festgestellt haben, dass sich im Internet möglicherweise sehr viel Geld verdienen lassen könnte.

Ich bin ehrlich, ich mag es mich mit “Nerds” zu unterhalten, Leuten die wissen wovon sie sprechen, die keine Parolen abfeuern, weil sie wenn überhaupt mit ihrer Arbeit überzeugen können. Die meisten StartUps sind doch genauso wie die selbsternannten Programmierer und Webdesigner, die aus dem Boden spriessen. Seltsamerweise stehen die Webjünger drauf denen den Boden zu kehren, weil sie sich erhoffen einen Namen zu machen.

Wenn man das Glück hat einen Investoren gefunden zu haben, sollte man sich auf das nötigste stützen. Wieso nicht einmal an großen Vorbildern antasten: Apple: zwei Jahre lang in einer Garage produziert bis der Investor kam, Microsoft: mit nichts und einigen Ideen in eine Pension eingezogen, Google: Die billigsten Computer gekauft, in den Worten Sergej Brins: “we knew it was cheap, but it worked, it was like us, cheap but willing to work”;

Mal sehen wie es weiter geht.

Du triffst den Nagel auf den Kopf. Den Kommentar könnte man fast nahtlos in den Artikel einbinden :)

Top Artikel.
Trotz allem, mindestens das Marketing geht mit Venture Caiptal viel viel schneller.

Wer sich unnütz hohe laufende Kosten aufbürdet, der kann auch trotz Venture Capital recht schnell in die Pleite gehen.

Natürlich ist das mit Kapital viel einfacher. Das merke ich ja gerade selber und wird mehr oder weniger in diesem Artikel (http://www.blogwave.de/meineairlinede-verkaufen-oder-behalten.html) besprochen bzw. diskutiert.

Trotzdem ist es so, dass das ganze Geld meiner Meinung nach einfach “verprasst” wird und in Zeiten des 2.0 gar nicht mehr geschätzt wird. Was sind bei diesen Startups schon 10.000 Euro?

Respekt bekommen von mir nur Leute, die sich mit der Materie auch beschäftigen und auch “anpacken” können.

Ich musste schon schmunzeln, denn der Beitrag ist nicht aus den Fingern gesaugt sondern bittere Realität.

Letztes Jahr hatten wir bei unserer Auto Community eine Anfrage bzgl. Messestandes einer anderen Auto Community – die jetzt irgendwie plötzlich weg ist (dessen Team ebenfalls..)

Ja, so verdünnisieren sich die Communitys nach und nach. Ich hätte gar keinen Bock mich bei so einer Messe hinzustellen und so zu tun, als würde ich Millionen damit scheffeln, eigentlich aber gerade mal froh sein kann, dass ich das Display zahlen konnte.

Wenn ich ein wirklich großes Unternehmen hätte, dann würde ich mich auch zeigen wollen, weil es dann bestimmt auch eine große Nachfrage gibt. Aber was sollen so 08/15 Startups denn bitte ausstellen? Sie könnten ja ihr Konzept, mit welchem sie Investoren ins Boot geholt haben, als Flyer auslegen. Dann wäre sicher ein reger Ansturm gewährleistet. Aber glaub mir: Für das Startup wird sich trotzdem keiner interessieren…

Sehr schöner Beitrag, danke!

Ganz wichtig sind für dieses Klientel auch folgende Seite:

http://www.server7485.com/awi/f067-aufruf-klopfomat101text.htm

und ergänzend dazu

http://roetsch.de/pdm/

Die Phrasendrescher ;)

Jau, super Links. Hat “Achimowitz” seine Phrasen damals nicht sogar vorgelesen und Applaus bekommen? Oder wo schaltet man da den Sound ein?

EDIT: Habs schon gefunden: http://www.kleinebroetchen.de/spruchklopf/f067-aufruf-klopfomat101audio.htm

Wenn Du auch grundsätzlich recht hast, lese ich einiges an Frust heraus?

Sicher gibt es in der Branche viele schwarze Schafe, und eben auch gerade viele der Bauart, die meinen, immer ganz ganz besonders großspurig aufzutreten. Aber alle in einen Topf zu werfen – und das tust Du hier, wird der Sache sicher nicht gerecht. Auch im sogenannten Web 2.0 gibt’s nicht wenige Gründer (auch mit Investorengeld), die sparsam agieren, hart arbeiten und sich selbst keine dicken Gehälter auszahlen um sich den Porsche vor die Tür zu stellen. Nur sind die eben leiser, und werden deswegen nicht so wie die schlechten Beispiele wahrgenommen.

Grundsätzlich scheint mir aber nur bedingt Kennnis vorzuliegen, wenn man solche Fragen wie “Wofür verprassen die ganzen Startups bloß so viel Geld, dass man nahezu direkt nach dem Launch die Insolvenz einleiten muss?” stellt.

Es ist ja wohl ein Irrglaube anzunehmen, dass wenn irgendwo steht, Startup xy bekommt 1 Million von Kapitalgeber yz, dass dann eine Million auf dem Konto desselbigen landet und die Kohle flugs verbrannt wird! In dem Geschäft sind Auszahlungen fast immer(!) an Meilensteine gekoppelt und die Gesamtsumme wird in Tranchen ausgezahlt. Wenn dann irgendwas nicht so läuft, Annahmen falsch sind, Vorgaben nicht erfüllt werden… dann kann das eben auch kurzfristig zum Ende führen. Den ein StartUp wird in aller Regel am Tropf des Kapitalgebers hängen. Die Zeit, einen neuen Investor zu finden, wird bei den meisten so nicht gegeben sein, wenn der alte kurzfristig abspringt. Und das kann – ob nun Finanzkrise oder nicht – passieren. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

Ich habe keinen Frust. Ich verstehe einfach nur nicht, warum Startups, die de facto kein Geld verdienen hochgelobt werden als seien es die tollsten Innovationen seit der Erfindung des Rades.

Zum “Geld verprassen” Thema habe ich noch vor kurzem ein paar prickelnde und eben genau diese großspurigen Beispiele (wie Du es richtigerweise bezeichnest) aus dem Mund eines VC gehört.

Ich weiß auch wie eine Finanzierungsrunde aussieht. Das Problem bleibt jedoch weiterhin, dass Finanzierungsrunden oft nicht an Umsätze o.ä. gebunden sind und das Startup demnach immernoch nichts einfahren muss.

Aus dem Zusammenhang würde ich behaupten: Das kann ich auch, solang es jemand bezahlt.

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[...] Kommentare kann ich überhaupt nicht ab. Ich rede ja schon länger davon, dass die Startup-Szene sich gegenseitig nur am feiern ist und man sich z.B. freut, dass man [...]

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