Tag Archive: Insolvenz

neckermann.de nutzt die eigene Pleite als Marketing-Gag: „Insolvent. Na und?“

Neckermann.de hat erst vor kurzem Antrag auf Insolvenz gestellt. Irgendwo hat das Unternehmen Fehler gemacht. Irgendwas ist bitter schief gelaufen. Der Eigentümer Sun Capital wollte zumindest nicht mehr mitspielen. Die Zahlungsfähigkeit war damit nicht mehr gegeben. Man könnte meinen, dass es nicht am Marketing lag, wenn man sich anschaut, mit welcher Offensive die neckermann.de GmbH mit der eigenen Pleite umgeht. Auf der Website findet man derzeit lockere Sprüche wie: „Insolvent. Na und? Sie wollen schließlich kein Geld bei uns bestellen, sondern Ware.“

oder „Sie haben momentan wenig Geld in der Kasse? Wir wissen, wie sich das anfühlt.“.

Coole Sprüche, offensives Marketing. Leider muss immer erst etwas passieren, um eigene Fehler zu erkennen. Aber daraus kann man lernen. Ich persönlich möchte es als großes Tennis bezeichnen so mit der eigenen Pleite umzugehen. Demnach: Daumen hoch und weiter so… zumindest so lange Ihr noch da seid :)

StartUps gehen ohne Finanzspritze der Reihe nach pleite!

Und wieder mal bestätigt sich eine meiner Theorien. Ich habe schon des öfteren gesagt, dass die neuen StartUps scheinbar ohne Finanzspritzen gar nicht mehr auskommen. Sobald ein Startup dann eine Finanzierungsrunde erfolgreich abschließt gelten die Gründer als revolutionär und werden gefeiert als hätten sie den Weltfrieden erreicht, obwohl man aus eigener Hand eigentlich nichts als das Überreden eines Investors geschafft hat…

Als aktuellstes Beispiel trifft es gerade Kazzong. Kazzong war eine Community, über welche Künstler ihre digitalen Songs verkaufen konnten und auf diese Weise günstig in das Unterhaltungsbusiness einsteigen konnten. So der Plan. Scheinbar, so heißt es im Kazzong Blog, ist jedoch unter anderem die Finanzkrise dafür verantwortlich, dass jetzt die Pforten geschlossen werden müssen.

Es wurde zwar ein Investor gefunden, welcher jedoch kurzfristig und aufgrund der Finanzkrise absprang und seine finanzielle Zusage annullierte. Eigentlich schade für Kazzong. Denn das Konzept war nicht gerade dumm und hätte neue und kleine Künstler aus der Branche sicher gut unterstützt bzw. ein Sprungbrett geschaffen. Mal ganz unabhängig von Kazzong zur eigentlichen Problematik die sich mir noch nicht ganz erschließt:

Wofür verprassen die ganzen Startups bloß so viel Geld, dass man nahezu direkt nach dem Launch die Insolvenz einleiten muss?

Unabhängig vom Startup-Unternehmen wird einer Ansicht nach einfach viel zu dick aufgetragen. Wir sind ja schließlich im Web 2.0. Erstmal ein Unternehmen gründen und dafür Geld aufnehmen. Dann ein möglichst großes Büro mit nagelneuen und für das eigentliche Unternehmen total überdimensionierte (Leistung) Rechner anschaffen. Auch ein Konferenzraum gehört zwangsläufig zur Ausstattung, denn ein Team aus 2 bis 5 Leuten muss, um möglichst wichtig zu tun, auch vernünftig tagen können. Hier darf der neue Beamer inkl. Activeboard natürlich nicht fehlen.

Zur rechtlichen Absicherung wird ein Anwalt benötigt. Des weiteren braucht man einen Steuerberater. Außerdem muss man dicke Gehälter an sich selbst zahlen und sich davon diverse Anzüge kaufen um auf der nächsten sinnlosen Messe (natürlich auch 2.0) möglichst wichtig auszusehen (Der Spruch mit dem Zwerg passt hier wieder). Für die Messe wird ein Stand oder mindestens irgendein Display gebraucht, auf welchem man sich präsentiert.

Daneben muss man über ein iPhone mit dem größten Vertrag bzw. Datenvolumen verfügen. Wofür weiß man nicht, aber alle anderen haben das ja auch. Außerdem muss man die Zeit, in welcher man das Startup nach vorne bringen könnte mit Twittern verbringen. Denn es ist wichtig die Kollegen darüber zu informieren was man gerade macht, denkt und vor hat. Die sitzen zwar neben einem im Büro, aber Twittern ist angesagter und irgendwas mit Web 2.0.

Nach außen hin sollte man sich relativ cool geben. Von finanziellen Problemen z.B. darf gar nicht erst die Rede sein. Immer schön locker durch die Hose atmen. Auch die Besucherzahlen sollte man verfälschen möglichst positiv rüberbringen. Natürlich hat man nicht nur ein paar User, sondern Tausende von Usern. Alle Welt interessiert sich nur noch für die eigene Plattform. Das ist amtlich. Und das natürlich seit dem ersten Tag. Warum? Na weil alles so super geil ist. Das Angebot ist neu, wir sind Weltmarktführer und unantastbar. Warum? Weil wir ein Startup sind und – Web 2.0 halt (ihr versteht was ich meine).

Unser Einst macht lieber alles privat. Oft wird man zwar belächelt, dass man nicht ganz so viele User hat wie die scheinbar „dicken Fische“. Auch ist das Wachstum teilweise so gering, dass man es an manchen Tagen gar nicht aufzeichnen kann. Wie dick die Fische aber in wirklichkeit sind, zeigt sich wie beim Fußball erst dann, wenn der Unparteiische das Spiel nach 90 Minuten abpfeift. Wer schöner Fussball spielt muss nicht unbedingt gewinnen. Am Ende entscheiden immer die Tore!

Aber das steht nicht auf dem Papier der Startups. Sondern vermutlich irgendwo bei Twitter :)