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Facebook entscheidet, von welchen Deiner Freunde Du in Deiner Timeline liest

Was man sicherlich schon des Öfteren gehört hat ist die Aussage, dass man in der eigenen Timeline viel Belangloses lesen „muss“. Scheinbar ist auch Facebook der Meinung. Gut wäre eine Funktion, mit welcher man manuell festlegen könnte, von wem man Statusupdates liest. Facebook ist da allerdings etwas entscheidungswilliger und zensiert die Timeline der einzelnen User nun auf Grundlage der Kommunikationsaktivität untereinander…

Die meisten meiner sogenannten Facebook Freunde sind Leute, die ich in seinem Leben zwar hin und wieder sehe, mit denen ich ggf. auch mal regen Kontakt hatte, mit denen ich im Grunde aber absolut nichts mehr zu tun habe. Einmal im Jahr findet ein Geburtstagsgruß die Pinwand des Kontakts und that’s it. Trotzdem bin ich irgendwie interessiert daran, was z.B. „alte Bekannte“, frühere Klassenkameraden oder Arbeitskollegen und Leute aus der Bundeswehrzeit so treiben. Dank der Facebook Timeline eigentlich kein Problem. Bis jetzt…

Die Timeline funktioniert prinzipiell so, wie man es von Twitter gewohnt ist. Anstatt anderen Leuten zu folgen, ist mit ihnen „befreundet“. Es war demnach so, dass man jede einzelne Statusaktualisierung seiner Freunde, chronologisch sortiert, auf der persönlichen Startseite – der Timeline – sieht. Man weiß was die Kumpels treiben, womit sie sich beschäftigen, wo sie sich aufhalten, was sie vor haben. Man liest mit, was am Wochenende läuft, man ist up to date. Viel mehr als würde man nur mit einem kleinen Kreis z.B. via SMS kommunizieren. Das Prinzip ist einfach wie genial. Soziale Vernetzung eben.

Facebook scheint diese Funktion, aufmerksamen Usern zufolge, nun allerdings deutlich eingedämmt zu haben. Von Freunden, mit denen man keinen intensiveren Kontakt via Facebook pflegt, wird man in Zukunft entsprechend weniger lesen. Facebook scheint der Meinung zu sein, dass es nicht mehr zu interessieren hat, was Freunde tun, mit denen man so oder so nicht in direktem Kontakt steht. Meiner Meinung nach ein bisschen zu vorschnell gedacht. Vor allem für Firmen, die teilweise ihre die gesamte Webpräsenz durch eine Facebook-Fanpage ersetzt haben, eine mittelschwere Katastrophe. Plötzlich wird Social Media bedeutungslos, verliert mehr oder weniger an Macht. Denn die Freunde bzw. Fans sehen nur noch Updates, sofern diese aktiv mit dem Unternehmen kommunizieren. Die Anzahl der Fans und Freunde scheint egal. Wichtig ist die Anzahl derjenigen, mit denen man in Kontakt steht. Was machen die Unternehmen nun? Wildfremde User mit Hilfe persönlicher Nachrichten „vollquatschen“, um für das System eine Art bestehende Kommunikation vorzugaukeln?

Ich sehe schwarz. Mein Vorschlag wäre daher der, vor allem die Meldungen bestimmter Applikationen einzudämmen und darüber hinaus von den Usern selbst entscheiden zu lassen, von wem man lesen mag und von wem eben nicht. Es gibt tatsächlich viele Leute im eigenen Freundeskreis, die wirklich nur irgendwelche Farmville-Gifts verteilen, virtuelle Glücksnüsse öffnen oder sonstwelche Aktivitäten auf Facebook preisgeben. Uninteressant. Wenn allerdings ein Kumpel, zu dem der Kontakt aufgrund der Verlegung seines Wohnsitzes ins Ausland (inkl. Zeitverschiebung, etc.) weniger geworden ist, seine Hochzeit verkündet und ich das aufgrund dieser automatischen Zensur nicht mitbekomme, finde ich das schade. Hätte ich es selbst entschieden, indem ich z.B. die (noch) nicht vorhandene Einstellung „Statusupdates von diesem User nicht mehr anzeigen“ vorgenommen hätte, wäre das halb so wild. Wenn Facebook das über meinen Kopf hinweg entscheidet, irgendwie denkwürdig, oder?

Google Analytics ist in Deinem Land leider nicht verfügbar!

Google Analytics ist in Bezug auf Datenschutz vor allem in Deutschland ein sehr leidiges Thema. Deutschland wandert meiner Einschätzung nach immer stärker in Richtung Internetzensur, die lediglich nicht als solche bezeichnet wird. Ein zweites China? Zensur? Nein, das gibt es doch in Deutschland nicht! Hier herrscht doch schließlich Presse- und Meinungsfreiheit. Es könnte lediglich sein, dass die Funktion „in Deinem Land nicht verfügbar“ ist…

Im Fall Google Analytics streitet man sich immernoch über die Art und den Umfang der Daten, die an die Server des Suchmaschinenriesen auf einen langen Weg über den Teich in Richtung USA gesendet und dort vermutlich nicht nur abgelegt, sondern ggf. auch für ein Profiling o.ä. verwendet werden. Immerhin ist Google in den Augen vieler nicht mehr nur die Suchmaschine, sondern das datensammelnde Internetimperium, welches z.B. personalisierte Werbung anzeigt, um möglichst viel Geld zu verdienen.

Laut Aussage der deutschen Datenschützer wurden die Verhandlungen mit Google abgebrochen. „Leider mussten wir zu dem Ergebnis kommen, dass Google unseren Datenschutzanforderungen nicht entsprochen hat“, sagte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar laut einem Bericht der (FAZ). Die Anforderungen versuchte Google unter anderem mit einem Browserplugin umzusetzen, welches das Senden von Daten an Google verhindert. Darüber hinaus bietet Google eine IP-Masken-Methode, mit welcher die IP Adressen anonymisiert an das Unternehmen geschickt werden.

Dass das Browserplugin laut Datenschutzbeauftragtem nicht alle User erreichen kann, leuchtet ein, sofern man es vor dem Hintergrund sieht, dass das Analytics Opt-Out Plugin tatsächlich nur für den Internet Explorer, den FireFox und den Chrome von Google verfügbar ist. Die 10% der Internetnutzer, die z.B. mit dem Opera oder dem Safari durch das weltweite Netz surfen, bleibt der Schutz mehr oder minder verwehrt. Selbstverständlich ein Streitpunkt, den man diskutieren muss.

A pro pos Diskutieren: Wie ich oben bereits erwähnte, behauptet der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, man habe die Verhandlungen mit Google angebrochen, da man den Datenschutzanforderungen der EU nicht entspräche. Interessant ist daraufhin zu lesen, dass Google das ganz anders zu sehen scheint. Entgegen der aktuellen Berichterstattung deutscher Medien heißt es seitens Google: „Uns ist ein Abbruch der Gespräche von seiten der Datenschutzbehörden nicht  bekannt und wir arbeiten weiter aktiv daran, die Bedenken der Datenschutzbehörden auszuräumen.“

Das Suchmaschinenunternehmen betont in dem Artikel noch einmal, dass „Google Analytics dem Datenschutzrecht in der EU entspricht“. Tolle Wurst. Jetzt weiß der eine mal wieder nicht was der andere sagt und umgekehrt. Aber das sind wir von unseren Politikern ja schon gewohnt. Da werden einfach mal irgendwelche Gesetzentwürfe, wie z.B. der Jugendmediendienstestaatsvertrag (JMStV) oder ähnliches erstellt, ohne auch nur über ein Fünkchen Hintergrundwissen zu verfügen, inwieweit eine solche Entscheidung Einfluss auf das Netz haben könnte. Ich habe vor kurzem noch einen interessanten Tweet gelesen, der für das Internet das Baumhaus-Prinzip fordert: „Wer zu alt ist, um ohne Hilfe reinzukommen, soll uns darin auch keine Vorschriften machen.“. Im Moment kommt mir das ganze vielmehr so vor, als habe die Politik Angst die Kontrolle zu verlieren. Das ganze heißt dann, dass die Politiker besorgt um unsere Daten seien. Naja, ich ahne leider jetzt schon, worauf das Ganze vermutlich hinauslaufen wird: Google Analytics ist in Deinem Land leider nicht verfügbar.